Der Mensch E.Delacroix
Delacroix besass eine widersprüchliche, schillernde Persönlichkeit. Zunächst war er ein undurchschaubarer Anachronet. Einer, der sich jenseits der Masse, stolz in seine „Gegenwelt“ zurückzog. Ein instinktiver Aristokrat, ein Dichter, ein grosser Geist. Seine Beziehung zur Welt war von grundlegender Skepsis und Menschenverachtung geprägt. Es war aber nicht Eitelkeit oder Arroganz – es war die Erkenntnis eines freien Geistes, die er dem Weg der Menge vorzog. Seine Werke sind Zeugnisse dieser Erkenntnis.
Die Arbeit machte er zum unerschüttterlichen Zentrum seines Lebens: er arbeitete monatelang ununterbrochen und fertigte pausenlos Skizzen und Entwürfe an. Von seinem Liebesleben ist kaum etwas bekannt, ausser dass er sich ihm selten mehr als eine Stunde zuwendete.
Zerstreuung boten ihm die Salons, in denen er wegen seiner Intelligenz und der Schärfe seiner Analysen willkommen war. Er konnte sich auf eine so durchdringend klare Weise ausdrücken, dass jemand einmal von ihm gesagt haben soll: Dommage qu`il fait de la peinture!
In einem seltsamen Kontrast zu seiner Höflichkeit und der Noblesse in den Bewegungen stand seine innere Erregbarkeit. Während er, wie er selbst zugab, häufig kühlen Gemütes war, tobten unter der Oberfläche Stürme, wie das Zittern in seiner Stimme verriet wenn er etwa einer Meinung widersprechen wollte. Ohne diese existentielle Betroffenheit konnte er nicht arbeiten: « Si je ne suis pas agit comme le serpent dans la main de la Pjrthonisse, je suis froid ; il faut le reconnaitre et s’y soumettre. Tout ce que j ‘ai fait de bien a ete fait ainsi. »( «Wenn ich nicht zittere, wie die Natter in der Hand des Schlangenbändigers, bin ich kalt. Das weiß ich und damit habe ich zu rechnen. Alles, was ich Brauchbares geschaffen habe, ist so entstanden»).
Delacroix war aber auch gesellig und sehr liebenswürdig. Er bezauberte die Einfachen ebenso wie die Einflussreichen. Ausser George Sand und Frédéric Chopin hatte er aber kaum wirkliche Freunde.