Thematische Schwerpunkte
Nicht nur stilistisch, auch thematisch steht Delacroix in der Tradition Michelangelos. Vergleicht man etwa Michelangelos; Das jüngste Gericht, mit Delacroix`s; Das Massaker von Chios, oder sein; Der Tod des Sardanapalus, fällt die terribilitas, die tragische Vision des Dargestellten auf.
Wahrscheinlich verbindet Delacroix mit Michelangelo eine melancholische Disposition. Delacroix dramatisiert die Abgründe jedoch noch weiter. Die Bilder zeigen eine Fülle des Grauens: Einsamkeit, Furcht und Verzweiflung, Feuer und Rauch machen Städte erdbodengleich, vergewaltigte Frauen, aufgeschlitzte Kehlen, von Pferden erdrückte Kinder.
Jenseits der Hoffnung auf Erlösung ist alles von der radikalen Verworfenheit des menschlichen Geschlechts durchdrungen. Kein Wunder, dass seine alljährlich im Pariser Salon ausgestellten Gemälde das Publikum oft mit der Massivität der gewählten Sujets schockierte.
Um einiges lebensbejahender wirken diejenigen Bilder, die von seinem Besuch im Orient zeugen. Diese können einerseits als Dokumente der damaligen Wahrnehmung des Morgenlandes verstanden werden, spiegeln aber auch die persönlichen Wünsche und Sehnsüchte, die der (romantische) Maler Delacroix auf den Orient projizierte.
Resümierend ausgedrückt, zeigen die Motive der Gemälde Delacroix`s die Verarbeitung beziehungsweise die Verbindung aktueller und historischer Ereignisse.